Daniel Chanoch: „Ich glaubte immer daran, dass ich überleben werde“

00:00 | 00:00
  • TVthek HTML5 Player V1.0

History | Ergreifende Erinnerungen

Daniel Chanoch: „Ich glaubte immer daran, dass ich überleben werde“

Daniel Chanoch wurde 1932 in Kaunas (Litauen) geboren. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde auch Litauen von deutschen Truppen besetzt. Die litauischen Juden waren von Anbeginn der deutschen Besetzung systematischem Mord, Plünderung und Demütigung ausgesetzt. Die jüdische Bevölkerung wurde zunächst von der übrigen Bevölkerung separiert und in Ghettos gesperrt. Die Familie Chanoch fand sich im Ghetto Kauen (deutsch für Kaunas) wieder, das bald darauf in ein Konzentrationslager umgewandelt wurde. Über vier Jahre hat Chanoch während des Zweiten Weltkriegs in insgesamt sechs Konzentrationslagern verbracht, zuletzt im Außenlager des KZ Mauthausen, in Gunskirchen in Oberösterreich. Chanoch war Teil einer Gruppe von „131 Buben“ die 1944 ursprünglich aus dem KZ Kauen kamen, und zusammen erst nach Dachau, dann nach Auschwitz deportiert wurden. Zwei Drittel von ihnen wurden im KZ ermordet. Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau begegnete Chanoch auch Josef Mengele. Das Kriegsende und die Befreiung erlebte er im KZ Gunskirchen, „dem schlimmsten Platz auf Erden“. Nach der Befreiung durch die Amerikaner im Mai 1945 wanderte der 12-Jährige nach Palästina aus, studierte später in den USA und baute sich später in Israel sein eigenes Lebensmittelunternehmen auf. Daniel Chanoch gründete eine Familie und lebt heute in Tel Aviv. Er engagiert sich aktiv für die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen und versucht durch seine Geschichte immer wieder auf die damaligen sowie heutigen Gefahren aufmerksam zu machen.

Anmerkung der Redaktion:
Ein Ghetto bezeichnet ein abgesondertes Stadtviertel – im Mittelalter und in der frühen Neuzeit meist der einzige Ort, in dem Juden sich in bestimmten Städten niederlassen durften. Der Ausdruck selber geht auf den venezianischen Stadtteil „Getho Novo“zurück, der Juden im sechzehnten Jahrhundert als Wohngebiet zugewiesen wurde. Im Gefolge der Aufklärung und Französischen Revolution wurden Juden allmählich die gleichen Rechte zugestanden wie Christen, was das Ende der Ghettos in Europa bedeutete – das venezianische Ghetto wurde 1796 nach der Besetzung Venedigs durch französische Truppen aufgehoben. Das letzte Ghetto der Welt bis zur NS-Herrschaft befand sich im noch unter päpstlicher Herrschaft stehenden Rom und wurde erst nach der Annexion Roms durch das Königreich Italien im Jahr 1870 endgültig abgeschafft. Der erste Schritt zur Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten bestand in ihrer Separierung von der übrigen Bevölkerung – ihrer „Ghettoisierung“.

Josef Mengele war von 1943 bis 1945 Lagerarzt im KZ Auschwitz, wo er für die Ermordung Tausender Menschen u. a. durch medizinische Experimente mit Häftlingen verantwortlich war. Er wurde nie für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen und starb 1979 in Brasilien.

Interviewerin: Sabrina Peer

Informationen zu Cookies im ORF.at Netzwerk

Diese Seite verwendet Cookies. Für eine uneingeschränkte Nutzung der Webseite werden Cookies benötigt. Sie stimmen der Verwendung von Cookies durch Anklicken von "OK" zu. Nähere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen und unter dem folgenden Link "Weitere Informationen".