Hilde Koplenig: „Innerlich waren wir verzweifelt“

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History | Ergreifende Erinnerungen

Hilde Koplenig: „Innerlich waren wir verzweifelt“

Die Historikerin Hilde Koplenig (1904–2002), geborene Oppenheim, trat 1923 der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) bei und heiratete 1929 den langjährigen KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig. Sie berichtet über die Stimmung in der KPÖ der Nachkriegszeit, den verheerenden Eindruck, den die Schauprozesse und die politischen Säuberungen in den sogenannten „Volksdemokratien“ auf sie machten, den Tod Stalins und die Rolle der KPÖ im „Oktoberstreik“ 1950.

Im Zuge sogenannter „Schauprozesse“ wurde in der Sowjetunion zwischen 1936 und 1938 eine Reihe prominenter kommunistischer Politiker wie Lew Kamenev, Grigori Sinojew und Nikolai Bucharin unter Anwendung oder Androhung der Folter gezwungen, sich von der Geheimpolizei erfundener „Verbrechen“ für schuldig zu bekennen. In den kommunistischen Diktaturen in Osteuropa (Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien) wiederholten sich diese grausam-absurden Schauspiele nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu den prominentesten Opfern der Schauprozesse nach 1945 gehörten der ehemalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei Rudolf Slánský und der ehemalige ungarische Innen- und Außenminister László Rajk. Viele der Opfer der „Schauprozesse“ waren persönliche Bekannte und Freunde der Koplenigs.

Der sogenannte „Oktoberstreik“ von 1950 war eine Streikbewegung, die sich gegen die im „Vierten Lohn-Preis-Abkommen“ zwischen Gewerkschaft und Unternehmerverbänden vereinbarten Preissteigerungen bei gleichzeitiger Stagnation der Löhne richtete. Die KPÖ, die bei den Nationalratswahlen 1949 nur 5,08 % der Stimmen erhalten hatte, unterstützte den Streik, in der Hoffnung, politische Popularität zu gewinnen. Im Klima des „Kalten Krieges“, in der kommunistische Parteien im Verdacht standen, die Demokratie beseitigen und kommunistische Diktaturen errichten zu wollen, wurde die Streikbewegung von der ÖVP-SPÖ-Regierung und vom SPÖ-geführten Österreichischen Gewerkschaftsbund als kommunistischer Putschversuch gewertet. Diese Interpretation gilt heute als unhaltbar.

Sendung: Österreich I & Österreich II
Interviewer: Hugo Portisch

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